Sunday, September 11, 2011

23. Country Night Gstaad vom 9.-11. September 2011

23. Country Night Gstaad vom 9.-11. September 2011

Alle Jahre wieder findet im Schweizer Saanenland, in Gstaad die Country Night statt.
Organisator Marcel Bach lud nun schon im 23. Jahr zum großen Festival ein.
Ein Festival der gehobeneren Klasse (Eintrittspreise 70 - 150 CHF), aber eines der besten, was wir bisher besuchen durften.

Der gehobene Eintrittspreis ist einen Besuch ganz klar wert. Erstklassige Künstler, Bestuhlung, Rauch – und Speiseverbot im Konzertzelt und keine Besucher vor der Bühne (was nicht als Angriff gelten soll!!!), denn es darf nur jeweils ein Titel pro Künstler fotografiert werden. Auch der Sound ist im Konzertzelt hervorragend. Alles in allem eine tolle Atmosphäre.

Viele Namhafte Künstler, wie Emmylou Harris, Billy Ray Cyrus, Terri Clark, Kenny Rogers oder auch Patty Loveless, um nur einige zu nennen, waren schon da und auch dieses Jahr ließ sich Marcel Bach bei der Auswahl der Künstler nicht lumpen.

Sisters Morales“, „Laura Bell Bundy“, „Dailey & Vincent“ und als Headliner „Trace Adkins“ traten am Freitag und Samstag auf. Zwei Abende an denen die Künstler und deren Titel identisch sind.

Wir waren am Freitag vor Ort. Das Festzelt war an diesem Tag leider nicht ganz gefüllt. Am Samstag sollte sich dies jedoch ändern und das große Festzelt war nach Angaben des Veranstalters komplett ausverkauft.

Wir waren nun nach 600km staureicher Fahrt dann leider etwas zu Spät angekommen, so dass wir von den Openern „Sisters Morales“ nur noch die Zugabe mitbekamen.

Die „Sisters Morales“ sind, wie der Name schon sagt die Geschwister Lisa & Roberta Morales aus Austin/Texas, welche sich der TexMex-Music verschrieben haben. Einige Zeit ihrer Kindheit verbrachten sie in Deutschland, so dass sie mit guten Deutschkenntnissen glänzten. Die gemeinsame Musikkarriere werden Sie demnächst beenden und sich Soloprojekten widmen.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit der Newcomerin „Laura Bell Bundy“, welche man eigentlich gar nicht mehr als diese bezeichnen kann, denn die 30 jährige stand schon mit 11 Jahren für den Film „The Adventures of Huck Finn“ mit Elijah Wood vor der Kamera. In New York gründete sie dann mit 18 Jahren ein Country Duo und steht seit dem auf der Bühne. Sie wirkte u.a. in den Musicals „Hairspray“ und „Wicked“ mit und hat sich nun der Countrymusik verschrieben.

Aus ihrem 2010 erschienenen Debütalbum „Achin’ and Shakin“ präsentierte sie u.a. die Titel „Drop On By“, „Giddy On Up“ oder auch „If You Want My Love“, bei welchem sich ein Shirt mit Textzeilen des Songs überzog und so zum mitsingen aufforderte. Laura Bell Bundy glänzte nicht nur mit einer klaren kräftigen Stimme, sondern auch tollen Showeinlagen, wie Steppen bei dem Hit „Everybody“, sowie flippigen Tanzeinlagen mit ihren beiden Backgroundsängerinnen und – Tänzerinnen. Hier merkte man ihre Professionalität, denn die Choreographie passte perfekt.
Neben einem Medley, u.a. aus „9 to 5“, „Respect“, „Here Comes My Baby“ oder auch einem genialen „Any Man of Mine“/“Song of the South“ Mix wurden auch schon neue Titel aus dem 2012 erscheinendem Album dargeboten. Ein klasse Auftritt des sympathischen Energiebündels mit ihren beiden Tänzerinnen und der sechsköpfigen Band.

Beim Publikum zeigte sie sich sehr bodenständig, in dem sie nach Ihrem Auftritt noch ca. 45 Minuten fleißig Autogramme schrieb und für Fotos zur Verfügung stand.
Mir persönlich gefiel es ebenfalls sehr gut, dass sie während der Pressekonferenz am Samstag-Nachmittag spontan den Titel „Queens of Heart“ anstimmte.

Nach dem wunderbaren Auftritt von Laura Bell Bundy ging es nach einer etwas längeren Pause mit dem Bluegrass-Duo „Dailey & Vincent“ weiter.

Jamie Dailey und Darrin Vincent, welche sich 2008 nach mehrjähriger Planung zusammenschlossen, machten Ihren Auftritt zu einem für uns unvergesslichen. Großartige Musiker mit grandioser Begleitband.

Jamie Dailey, am Gesang und der Gitarre, war jahrelang Leadsänger von „Doyle Lawson & Quicksilver“, mit welchen er diverse Awards gewann.
Darrin Vincent, am Gesang und am Kontrabass, ist der Bruder der Bluegrass-Sängerin Ronda Vincent. Er spielte viele Jahre bei dargeboten „Ricky Skaggs und Kentucky Thunder“. Mit ihnen gewann er u.a. 5 Grammy Awards.
Seit Jamie Dailey und Darrin Vincent nun gemeinsam unterwegs sind räumten sie auch schon unzählige Preise, u.a. „Entertainer of the year“ & „Bluegrass Band of the year“ ab.

In Gstaad wurde uns ein 60 minütiges erstklassiges Programm der beiden Musiker geboten.
Songs, wie der Gospel-Hit „Brother Moses Smote The Water“, „Come Back To Me" wurden erstklassig präsentiert.
Als die Musiker dann noch den „Country Roads“ anstimmten war das Publikum voll dabei und sang vollen Krafts mit. Gänsehautgefühl pur!

Begleitet wurden Dailey & Vincent bei einigen Titeln von den Musikern Christian Davis an der Gitarre und am Gesang, Jeff Parker an der Mandoline und Joe Dean am Banjo.
Sixteen Tons“, welcher von Christian Davis präsentiert wurde, fand ich persönlich am faszinierendsten.

Alles in allem eine großartige Show der fünf Bluegrass-Musiker, welche mit Standing Ovations gefeiert wurden.

Um 0:10 Uhr war es dann endlich Zeit für den Headliner: Trace Adkins!

Der US-Amerikanische Superstar ist seit nun mehr 15 Jahren fest im Country-Musikgeschäft tätig und wurde in den letzten Jahren mit diversen Awards, u.a. den „New Vocalist of the Year“ ausgezeichnet.

Auf den Auftritt von Trace Adkins haben wir uns sehr gefreut. Allerdings haben wir ehrlich gesagt etwas mehr Stimmung erwartet. Der Funke vom Künstler zum Publikum sprang leider nicht so richtig rüber. Möglich, dass dies an der späten Stunde oder des immer mehr leer werdenden Festzelt lag. Die eingefleischten Fans konnten sich allerdings hiervon nicht beeinflussen lassen und feierten Trace Adkins. Seine Hits, wie „Just Fishing" und „Cowboy's Back in Town“ sang er trotzdem einwandfrei. Diese tiefe kräftige Stimme klingt einfach gut.

Bei „You're Gonna Miss This“ holte er dann die Gitarre raus und gab auch diese Fähigkeit zum Besten. Mit „Honky Tonk Badonkadonk“, bei dem einfach mal schnell Laura Bell Bundy und eine Ihrer Tänzerinnen über die Bühne huschten und „Brown Chicken Brown Cow“ , sowie der Zugabe „Songs about me“ endete dann auch dieser hervorragende Auftritt.

In der Dance Hall ging die Party nun aber erst richtig los. Hier spielten noch „Scarlett & Stars´n´Bars“, die mittlerweile einen großen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Auch die LineDancer kamen hier auf Ihre Kosten.

Scarlett & Stars´n´Bars, das sind: Frontsängerin Scarlett, Ernest Ray Everett an der Gitarre und am Gesang, Matt Wegner am Gesang und an der E-Gitarre, sowie Bernd Öhlenschläger an den Drums.

Da es mittlerweile schon recht spät war sahen wir uns diesen Auftritt dann doch nicht bis zum Ende an. Jedoch waren wir von dem was wir hörten sehr angetan.

Egal ob Songs von den Dixie Chicks oder Gretchen Wilson, Scarlett hat diese mit ihrer starken Stimme ausgezeichnet dargeboten.

Für uns endete der Ausflug nach Gstaad leider am Samstag-Nachmittag, doch wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Jahr.

Die CountryNight Gstaad ist immer eine Reise wert!


Bericht Susi Schulze / Fotos Susi Schulze & Klaus Krix






























23. Country Night Gstaad 2011

23. Country Night Gstaad 2011

Freitag, 9. September 2011

„Ladies first“ hieß es bei der diesjährigen Country Night im schweizer Nobelort Gstaad, das bereits zum 23. Mal über die Bühne ging. Es ist den Veranstaltern gelungen ein sehr abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen und das auf hohem Niveau.

Pünktlich um 19:00 Uhr beginnen die Schwestern Morales, Lisa und Roberta, aus Texas. Ihre musikalischen Einflüsse kommen aus den unterschiedlichsten Richtungen, bekamen sie doch als Kinder so ziemlich alles zu hören, von Jimi Hendrix bis zu Klassik. Sie boten Tex-Mex vom Feinsten. War der Sound zunächst noch nicht ganz optimal, so besserte sich das zum Glück. Sie boten Stücke von allen ihrer 4 Alben dar. Ihre neueste CD „Talking To The River“ wurde von Steve Berlin (Los Lobos) produziert. „It’s Time“ und „I Won’t Stand Still“ von diesem Album standen weit vorne im Programm. Diese sind durchwegs modern arrangiert, teilweise rockig und durchwegs vergleichbar mit der Musik von Los Lobos. Den größten Publikumszuspruch erlangen sie jedoch mit den traditionellen mexikanischen Volksliedern. „El Talisman“, „Ay Jalisco“ oder das bekannte „Cucurrucucu Paloma“. Ich kann mich nicht erinnern von letzterem eine schönere Version je gehört zu haben. Perfekte Harmonien, wunderschön instrumentiert – Harmonika, Trompete und die umwerfende akustische Gitarre im mexikanischen Stil gespielt. Da bekomme auch ich Gänsehaut. Nach gut einer Stunde endet eine kurzweilige Show. Der Abend hat also schon vielversprechend begonnen. Leider ist der Auftritt in Gstaad der letzte, den die Schwestern gemeinsam bestreiten. Sie wollen sich in Zukunft ihren Solo-Karrieren widmen.

Nach kurzer Pause beginnt der Auftritt des zweiten „female act“ des Abend, die Newcomerin Laura Bell Bundy. Eine „Newcomerin“ ist sie allerdings nur in der Country Szene. Die 1981 geborene Künstlerin stand schon im Alter von 9 Jahren erstmals im Rampenlicht. Sie trat in der New Yorker Radio City Music Hall in einer Weihnachts-Show als Tänzerin auf der Bühne. Im zarten Alter von 11 gewann sie bereits einen Preis für ihre Mitwirkung im Musical „Ruthless“. Zunächst blieb sie dem Musical treu. Erst 2010 veröffentlichte sie dann ihr Debütalbum „Achin‘ & Shakin‘ „ bei Mercury Nashville. Man durfte gespannt sein. Als erstes betritt die Band die Bühne. Zwei schwarze Chorsängerinnen, eine Rhythmusgruppe, die ebenfalls von Schwarzen besetzt ist. Ist das eine Soulgruppe? Der Einfluß dieser Musikrichtung ist unüberhörbar. Ist die Sängerin doch musikalisch geprägt von eben der Soulmusic, die ihr Vater gehört hat und der Country Music, die ihre Mutter gehört hat. Bei der Show fügt sich das zu einem Ganzen: Die Country und Soul Music und die Einflüße vom Broadway, die sich in Tanzeinlagen manifestieren. Eine Stepdance Einlage in einer Country-Show ist vermutlich einzigartig. Eine Country-Pop Show, die mit offensichtlicher Spielfreude dargeboten wird. Da gibt es die flotten Titel von ihrem Album, wie „I’m No Good“ oder „Giddy On Up“, die einfach Spaß machen. Ihre samtweiche Stimme ist aber auch für Balladen geeignet. Etwa „That’s What Angels Do“, obwohl das textlich eher ein amerikanisches, als europäisches Publikum anspricht. Ein Highlight der Show ist ihr „9 To 5 Medley“, in dem sie Lieder ihrer musikalischen Vorbilder zusammengefaßt hat. Diese reichen von Dolly Parton über Shania Twain bis zu Aretha Franklin. Auch ihr gelingt es das Pulikum für sich zu gewinnen. Es gibt sogar 2 Zugaben: „Proud Mary“ und „Let’s Pretend We’re Married“.

Als nächstes am Programm stehen das Duo Dailey & Vincent. Derzeit sind sie die angesagteste Gruppe in der Bluegrass-Szene. Seit ihrer Gründung vor 4 Jahren erhalten sie von der IBMA einen Preis nach dem anderen: Album Of The Year, Vocal Group Of The Year, Male Vocalist Of The Year (Jamie Dailey), Entertainer Of The Year, um nur einige zu nennen. Beide Musiker erlernten ihr Handwerk von profilierten Musikern. Beide begannen bereits im Kleinkindalter zu musizieren. Jamie Dailey war lange Mitglied von Doyle Lawson’s Quick Silver Band. Darrin Vincent arbeitete mit Ricky Skaggs und seiner Schwester Rhonda Vincent. Als Mitglied sowohl von Ricky Skaggs‘ Band als auch mit seiner Schwester trat er bereits vorher in Gstaad auf. Bluegrass Music kommt in Gstaad erfahrungsgemäß immer gut an. Vor allem, wenn der Standard so hoch ist. Die Band selbst besteht auch aus hochkarätigen Musikern. Der Fiddler stammt von den Cherryholmes, ebenfalls einer Bluegrass Band. Christian Davis (Gitarre, Bass Gesang) ist als Bass-Sänger eine Klasse für sich. Wenig überraschend kommt er aus der Gospelszene und war Mitglied der Gruppe Sound Of Liberty. Ergänzt wird die Gruppe noch von Jeff Parker an der Mandoline und Harmonie Gesang, der zuvor schon bei Train 45 und der Lonesome River Band gespielt hatte. Last but not least das jüngste Mitglied, der erst 22 jährige Joe Dean am Banjo. Neben reinem Bluegrass interpretierte die Band auch akustische Country Music, Duette und a capella Quartett Gesang. Es gab eine „high speed“ Version von „Fire On The Mountain“. Dieser Standard wurde derart schnell gespielt, daß es so klang, als würde man eine Aufnahme zu schnell abspielen. Unglaublich! Als Renner beim Publikum entpuppte sich ihre Interpretation von „Country Roads“, bei dem die Leute auch den Refrain übernahmen und mitsangen. Das war wohl ein Zugeständnis an den Geschmack des europäischen Publikums. Das Lied kennt wirklich jeder. Ein Höhepunkt der Show war auch ihre Interpretation von Liedern der Statler Brothers. Sie haben ja eine ganze CD mit Liedern dieser Country-Gruppe veröffentlicht. Die Harmonien sind so nahe am Orginal, daß man sie bei weniger genauem Zuhören verwechseln könnte. Für ihre Cover-Version von „Elizabeth“ der Statler Brothers wurden sie sogar für einen Grammy nominiert. Eine Ballade über eine Vater-Sohn Beziehung, das als möglicher Anwärter für ihr neues Album gehandelt wurde kam so gut an, daß sie einen Teil sogar wiederholen mußten. Alles in allem eine gelungen, abwechslungsreiche Show.

Es ist schon kurz vor Mitternacht, als der Headliner auftritt, Trace Adkins. Mit 1,80 m Größe und athletischem Körperbau eine imposante Erscheinung. Beeindruckend ist auch seine Stimme. Musikalisch ist er sehr „southern“ mit starkem Southern Rock Einschlag. Es mag wohl an der fortgeschrittenen Stunde liegen, und vielleicht ist es manchen auch zu laut, jedenfalls verlassen während seines Auftrittes einige die Veranstaltung. Das habe ich in Gstaad so auch noch nie erlebt, auch wenn es schon vorgekommen ist, daß der Headliner nicht derjenige war, der den größten Applaus erhalten hatte. An der musikalischen Darbietung kann es nicht gelegen sein. Die war tadellos. Es fehlte auch kein Hit. Im Gegenteil, es war sogar ein Hit-Feuerwerk: „Swing“, „Chrome“, „Ladies Love Country Boys“, „Every Light In This House“, „Songs About Me“, „Honky Tonk Badonkadonk“ um nur einige zu nennen. Neben den Hits stellte er auch ein paar Titel seiner neuen CD „Proud To Be Here“ vor: „Just Fishin‘“ und „Million Dollar View“. Sein Plattenlabel wollte ein rockigeres Album. Auch das kann die Band mit Überzeugung darbieten. Dennoch gelang es nicht das Publikum restlos zu begeistern. Die Reaktionen blieben im Vergleich zu den vorhergegangenen Bands gedämpft. Das kann nicht einmal eine spontane Tanzeinlage von Laura Bell Bundy und eine ihrer Chorsängerinnen ändern. Es bleibt dem Sänger nur zu wünschen, daß am Samstag ein enthusiastischeres Publikum anwesend ist. Verdient hätte er es.

Siegfried Schneeweiss

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